Freizeitstress – auch am Wochenende weiter im Hamsterrad?

Endlich Wochenende. Seit Mittwoch freuen Sie sich auf diesen Moment. Was Sie nicht alles geplant hatten: Nichts tun, an nichts denken, vor allem nicht an den Job. Sich nicht aufregen, vor allem nicht über den Chef. Endlich mal das tun, was Sie schon immer mal tun wollten, nämlich nichts.

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Doch dann kommt es wieder anders: am Freitagabend ist Kino mit Freunden angesagt und danach geht es weiter auf einen Drink durch die Kneipenszene. Morgens ausschlafen klappt auch nicht, weil vormittags Kaffeetrinken mit den Eltern geplant ist. Für Samstagabend möchten Sie was Besonderes kochen und stehen stundenlang Schlange auf dem Markt und Sonntagmorgen stellen Sie fest, dass Sie weder eine Zeile in dem guten Buch gelesen haben, dass schon seit Monaten im Wohnzimmer vernachlässigt herumliegt noch Sport gemacht haben und auch keine Zeit gefunden haben, um mal ungestört mit den Kindern zu toben.

Was ist das für eine Welt? Ein einziger Verschiebebahnhof. Nicht mal am Wochenende gelingt es, vom Stress frei zu machen und die Seele baumeln zu lassen.

Das Paradoxe an der Situation ist, dass wenn man genau das macht, was man am liebsten tun würde, um endlich mal abzuschalten, nämlich alles einfach laufen zu lassen, genau dann läuft es schief mit der Entspannung.

Denn Abschalten und Ruhe finden sind Prozesse, die bewusst geplant werden müssen. Ist das nicht verrückt? Nur auf den ersten Blick. Eigentlich ist es doch normal, dass man nicht so einfach von 100 auf 0 runterschalten kann. Jeder Prozess, sei es bei einer Maschine, sei es bei einer Bewegung, braucht eine Cool-Down-Phase. Und die brauchen wir auch, wenn es ins Wochenende geht. Wer tagsüber noch am Limit gepowert hat, sollte lieber Schritt für Schritt abschalten, nicht in einem Ruck. Vielleicht so: erstmal sacken lassen, was die Woche über so passiert ist. Dann einen Moment für sich allein haben und überlegen: was ist dieses Wochenende für mich wichtig? Was ist mein Bedürfnis? Wer die ganze Woche über im Stress war, braucht jetzt nicht noch mehr Freizeittermine. Eine Zeit, in der Nichts geplant ist, muss eben geplant werden, sonst werden Sie von den anderen verplant.

Viele Menschen lassen sich einfach in ihrer Freizeit von anderen Menschen steuern. Aber wenn es wichtiger ist, dass die Oma, die Freundin und die eigenen Kinder auf ihre Kosten kommen – wo bleiben dann Sie? Gerade das Gefühl, selbst auf der Strecke zu bleiben, kann Freizeitstress verursachen.

Sich zu entspannen ist ein Zustand, den es gilt aktiv herbeizuführen. Indem Sie nicht nur an andere, sondern auch an sich denken. Indem Sie nicht schon wieder versuchen, es irgendjemand Recht zu machen, auch keinem Idealbild von sich selbst. Dann stellt sich die Ruhe von selbst ein.

Also – was werden Sie heute Nachmittag tun, um herunter zu schalten? Was es auch ist – tun Sie’s geplant und bewusst.

Veröffentlicht von Ute Zander

Geschäftsführerin von ZS Consult GmbH - www.zsconsult.de

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